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Die Glocke
Samstag, 10 Februar 2001
"Hinter
dicken Hecken" anecken
Von DORIS PIEPER
Gütersloh (gl). Köln war ihm zu etabliert,
Hamburg zu teuer, Düsseldorf zu versnobt. Deshalb zog er
vor fünf Jahren nach Berlin, "mitten in diesen unbeschreiblichen
Sumpf, wo alles im Umbruch ist." Norman Gebauer sucht,
braucht und genießt diese Aufbruchstimmung, beobachtet ihre
Wirkung auf Menschen, spürt den Spannungen nach. Dann zieht
er Bilanz - in Bildern, Graphiken und Skulpturen. Die Galerie
der Sparkasse stellt jetzt die malerischen Arbeiten des
43-Jährigen vor.
Erstaunlich, dass Norman Gebauer in der
Region bislang kaum bekannt ist, zählt er doch zu den waschechten
Westfalen. 1958 in Wiedenbrück geboren und in Langenberg
aufgewachsen, wo er die erste Lehre als Möbeltischler absolviert,
lässt sich Gebauer Anfang der 80er Jahre in Soest noch zum
Steinbildhauer ausbilden. Es folgen Studien in Düsseldorf,
Mailand, Florenz und München. "Harte Jahre waren das
in Italien. Jahre, in denen ich gelernt habe, mich auf einem
von starker Konkurrenz belegten Markt durchzusetzen",
sagt Gebauer und blinzelt unterm dicken, modisch schwarzen
Brillenrand hervor. Wohlwissend, dass er als mittlerweile
mehrfach ausgezeichneter Grafiker und häufig ausstellender
Maler längst einen Ruf mit Qualitätssiegel in der Szene
hat.
Bildhauerei und Malerei, beides ist gleichermaßen
sein Metier. Einerseits Formen zu schaffen im und im Bezug
zum freien Raum, andererseits Flächen mit der Farbe zu erobern
- es ist der stete Wechsel vom Drei- zum Zweidimensionalen,
der ihn reizt. Er wird zur Nahtstelle der künstlerischen
Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen. Das Woher
und Wohin des Menschen, Schicht um Schicht wird es - je
nachdem, welchen Standpunkt der Betrachter einnimmt - zugedeckt
oder offenbart. Gebauers Malerei ist eine vielschichtige,
komplizierte, eine im Kopf konzeptionierte und doch mit
spontanem Pinselstrich und leichthändigem Gestus ausgeführte.
Transparent wirkt sie, überraschend im
Spiel der Formen und der Konfrontation mancher Farben. Da
ist Witz ebenso zu finden wie Sinnlichkeit, offensichtliche
Dramatik und meditativer Rückzug. Nur Vordergründiges sucht
man vergebens. "Ich bin eben kein Zeitgeistkünstler",
bekennt sich Gebauer schulterzuckend zu seiner expressiven,
mit Sorgfalt entwickelten Bildsprache.
Dass er die rund 70 in den vergangenen
zwei Jahren entstandenen Arbeiten in der Sparkassengalerie
unter dem Titel "Hinter dicken Hecken" zusammen
fasst, hat mit seiner derzeitigen Begeisterung für die elementare
Kraft "noch nicht domestizierter, menschlicher Wesen"
zu tun. So wie Kinder im Schutz von Hecken auf selbst erdachte
Abenteuerreisen gehen, macht sich auch Norman Gebauer ans
Werk: offen, unkompliziert, ideenreich, sensibel und begeistert.
Die Vernissage ist Sonntag um 11.30 Uhr.
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